Am Freitag, den 13. März, kam das Veranstaltungsverbot aus der Stadtverwaltung ins Haus.
Seit diesem Tag schreibe ich täglich auf, was erschreckt und berührt in dieser Zeit der Unterbrechung. Klar, es hat auch bei mir länger gedauert zu verstehen und zu akzeptieren, worauf es nun ankommt.

Heute ist der 29. Mai
Das Treffen heute mit unseren zahlreichen ehrenamtlichen Veranstaltungs-Helfer*innen, auf Abstand, mit Masken gab allen ein bißchen Hoffnung auf eine kulturelle Zukunft zurück.
... und nebenan verkümmert  Applaus zum Hupkonzert ... 
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 28. Mai
Jetzt ist die Zeit prima, um das eigene Leben dankbar zu überdenken. Auf was kann man verzichten, wo kann man sich neu engagieren. Da hab ichs gut. Ich habe Angst vorm Fliegen und vorm Zahnarzt. 
Zum Zahnarzt gehe ich, aber Fliegen tu ich nicht.
Machts gut, bis morgen.

Heute ist der 27. Mai
Der lange Blick in den Abendhimmel geht weit nach oben, will durch den Himmel hindurch, bleibt nur kurz an den Schwalben hängen und streift die Federwolken, Himmelsflügel sind das. Das Licht der Abendsonne wirft sich an die Sandsteinwand des Nachbarhauses und bleibt hängen, als ob es Zeit für die Betrachtung einräumen wolle. So friedlich kann ein Abend sein, und weiß nichts vom Tumult in der Welt.

Heute ist der 26. Mai
Hochfahren ist schwerer als Runterfahrten ... jetzt denke ich das auch schon ...
Die Planungen für den Anfang, für das neue Kulturexperiment beschäftigen uns.
Eine Priorität hat dabei, wie wir es schaffen, daß ihr euch wohlfühlt, dass wir alle schöne kleine Veranstaltungen genießen können, auf der Basis der nachvollziehbaren Verordnungen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 25. Mai
Auf dem Weg zum Bäcker ... ich habe es eilig, bin zu spät ... fällt mir ein, ich habe meine Maske vergessen. Am Straßenrand werden welche verkauft für 25,99 Euro das Stück ... viel zu teuer, also zurück nach Hause, die eigene holen. Vor der Tür die Tasche durchsucht ... Hausschlüssel in der Wohnung vergessen. Alle Fenster sind geschlossen, kein Einstieg möglich ... Auf dem Nachbargrundstück hängt ein  weißes frisch gewaschenes Leintuch auf der Leine ... mit zwei Gummis an der Seite ... Geistesblitz ... die Gelegenheit ... mache mich auf den Weg zum Nachbarn  ... immer schneller ... Sportkleidung legt sich an ... werde noch schneller ... werde zur Triathletin ... lange Haare wehen im Wind - dann wache ich auf!
Träumt schöner, bis morgen

Heute ist der 24. Mai
Das Leben macht uns ein Angebot. Manche nehmen es an und bauen über Nacht neue Fahrradwege in die Stadt.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 23. Mai
Stillleben II „Endlich ein verregneter Samstagnachmittag"

Heute ist der 22. Mai
Ich habe eine nette Nachbarin. Seit vielen Jahren grüßen wir uns; "Schönes Wochenende", "Kommen Sie durch, oder soll ich weg fahren", "Schöne Weihnachten", ... HEUTEMORGEN kam sie zu mir und fragte: "Wie geht es denn dem Tollhaus." Dann sind wir ins Gespräch gekommen über Kultur, über unseren Umgang mit Geflüchteten, über die Dummheit der Rechtspopulisten, über die Chance der Krise, und die Hoffnung daraus zu lernen ... Es war ein schönes Gespräch, wir haben  Interesse gehabt, zugehört, nachgefragt. Wir haben uns etwas kennengelernt.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 21. Mai
Alles über 25 Grad Lufttemperatur bedarf für mich eine Eingewöhnung. So endete ein kleiner Ausflug auf einem zufällig entdeckten  Demeter Weingut in der Pfalz - völlig seelebaumelnd.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 20. Mai
Eigentlich sollte am und um den 21. März die Internationalen Tage gegen Rassismus stattfinden. Aber, naja ihr wißt schon.. Heute hat sich das Karlsruher Netzwerk gegen Rassismus zum ersten mal wieder digital getroffen. Nach einer "Wie geht es jedem-Runde" und einem Blick auf die Themen der schrägen Hygienedemos war uns klar, dass es höchste Zeit ist wieder sichtbar zu werden und die abgesagten Veranstaltungen jetzt durchzuführen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 19. Mai
Ich muß euch was erzählen. Heute abend haben wir uns wieder per Videokonferenz mit dem Kulturring getroffen, unserem Karlsruher Netzwerk der Freien. Vor Corona trafen wir uns vierteljährlich zum Austausch. Während Corona treffen wir uns nun fast wöchentlich. Neben finanziellen Themen wurden auch die Lockererungen in der Kultur besprochen - und vor allem was denn mit Abstand möglich sein könnte unter freiem Sommerhimmel. Ein Feuerwerk der Möglichkeiten wurde gezündet und die Stimmung erhellte sich von Idee zu Idee. Kultur machts möglich, macht den Geist frei und Lust zu reflektieren über unserer bunte Gesellschaft.  Wir halten euch natürlich auf dem laufenden, weil ohne euch macht es eh keinen Sinn.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 18. Mai
Die Ruhe vor dem Stürmchen: Der türkisblaue Abendhimmel verschenkt sich an die Gastronomen, die ihre ersten Fässer anstechen und die Gäste empfangen. Im Tollhaus arbeiten wir an einem Infektionschutzkonzept für die ersten kleinen Veranstaltungen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 17. Mai
Abends bekomme ich jetzt immer Besuch aus der Nachbarschaft. Der kleine bunte Stiglitz (auf der Liste der seltenen Gartenvögel) nimmt zwei drei Schluck aus der Wasserschale und schaut sich ein bißchen um. Auf dem Nachauseweg fliegt er tanzend. Ich schaue ihm nach.
Machs gut Kleiner, bis morgen

Heute ist der 16. Mai
und heute wäre eigentlich die Kulturnacht "Schwein gehabt" auf dem Alten Schlachthof gewesen. Unser Festival mit Kunst, Kultur, Kulinarik das die Nutzer gemeinsam mit viel Anstrengung, Kreativität und Freude alle zwei Jahre auf die Beine stellen, wäre heute tatsächlich 10 Jahre alt, und das Wetter wäre auch noch optimal gewesen. Was soll ich sagen: Macht einen guten Wein auf, und stoßt mit uns an.
Auf euer Wohl, bis morgen

Heute ist der 15. Mai
Abends haben die beiden Artisten, die seit einer Woche bei uns proben und uns ein bißchen Normalität geschenkt haben,  ein kleines Stück ihrer Arbeit gezeigt: Kleine Bühne, tischgroß, sie sitzen sich gegenüber, die Gesichter sind in grünes Dämmerlicht getaucht. Die Tischplatte, eine Glasplatte, über die federleichte orangefarbene Tischtennisbälle mal rollen, mal hüpfen, mal fliegen. Dabei machen sie laute rhythmische Geräusche - fast unverhältnismäßig. So wirkt manchmal unsere Welt. Der Grund für manch ohrenbetäubende Aufgeregtheit ist dann doch nur ein kleiner harmloser Tischtennisball.

Heute ist der 14. Mai
Das Gespräch mit der Staatssekretärin aus Stuttgart hat eine Tür aufgemacht. Ab 1. Juni dürfen Veranstaltungen mit 100 Menschen stattfinden. Also macht euch bereit, holt die schönsten Kleider aus dem Schrank, setzt Hüte auf, bunte Schuhe wären schön, die Masken parat, den Hund zu den Nachbarn, die Kinder kommen mit - denn bald geht's ins Tollhaus!

Heute ist der 13. Mai
Seit acht Wochen besteht nun das Veranstaltungsverbot. Der Strudel im Kopf nimmt Fahrt auf und  die Überzeugung wächst, dass Kultur die beginnende Schieflage der Gesellschaft aufhalten kann, und jetzt wieder langsam, trotz Abstand stattfinden muss. Eins weiß ich, irgendwann werden wir es ordentlich feiern, dass ihr das mit uns durchhaltet, dass ihr uns mit so vielen Spenden helft, und dass wir uns auf euch verlassen können, auf die Freunde des Tollhaus.
Machts so gut wie ihr könnt, bis morgen

Heute ist der 12. Mai
Fast unbemerkt schleicht sich auf leisen Sohlen - zwischen Soforthilfe und Virus-Diskussion, zwischen Expertenwissen und Halbwahrheiten, zwischen kleinen traurigen Nichten und Neffen und Maskenvielfalt - der Wunsch nach anderen wichtigen Themen in die Aufmerksamkeit. 

Heute ist der 11. Mai
Abschied: Lieber Herr Drosten, heute möchte ich mich verabschieden. Ich danke Ihnen für Ihre Mühe, Ihre Gelassenheit, Ihre Klarheit und Einfachheit, mit der Sie uns dieses Virus erklärt haben. Ich weiß, welche Hilfe für viele Menschen in meiner Umgebung ihre Unaufgeregtheit war. Ich schalte den podcast nun ab und wünsche Ihnen alles Gute.

Heute ist der 10. Mai
Fahrradkaufprämie JETZT !

Heute ist der 9. Mai
... Ach nö, nicht schon wieder so ne Autokaufprämie ... es gibt doch tausend bessere Rettungs-Ideen im Mir-Kännet-älles-außer...-Ländle.  Mark Twain meint vielleicht auch dazu: "If you always do, what you always did. You will always get, what you always got."
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 8. Mai
Gerne hätte ich einmal Esther Bejarano im Tollhaus begrüßt. Sie hat seit Wochen aufgerufen und gemahnt den 8. Mai, als Tag der Befreiung vom Nationalsozialsmus als Feiertag festzulegen, wie Recht sie hat. 

Heute ist der 7. Mai
Heute mittag endlich ein Ereignis: Funken, Glitzer, Himmelhoch, Champus, Sternschnuppe, Rosenblütenregen, Freudentaumel, Schokokuchen, Türen auf, Herzen auf - alles auf einmal, denn:  der Zirkus kommt in die Stadt. Zwei Artisten aus Berlin haben sich zum Proben das Tollhaus ausgesucht - und plötzlich ist wieder die ganze Energie da.
Juhuu, machts gut, bis morgen

Heute ist der 6. Mai
Im jährlichen Gespräch zwischen dem Ministerium in Stuttgart und unserem Landesverband für Soziokultur wird auch über Öffnungen für die Kultur geredet, zunächst einmal natürlich klein anfangen. In zwei Wochen wird weiteres verkündet über mögliche Lockerungen. Das ist ja fast so aufregend wie für die Kinder deren Spielplatz nun wieder vorsichtig geöffnet wird. Und ich ziehe meinen Hut vor ihrem Glück, ihrer Würde und ihrem Vertrauen in die Entscheidungen der Erwachsenen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 5. Mai
Stillleben, erst vor einigen Jahren erkannt, dass es sich nicht um ein Stil-Leben, also eine Kunstform handelt,  sondern um die Stille im Bild.
Hier nun die neue Serie: Stillleben I "Arbeit mit Rose"
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 4. Mai
Beim Aufwachen kurz überlegt welcher Tag ... Montag, also Videokonferenz mit Kolleg*innen. Der Generationenwechsel wird durch die Pro und Contra-Verhältnisse bei der Diskussion um Streaming - oder Livekultur deutlich. Oder ist es der Pragmatismus der Jugend ?
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 3. Mai
Auf dem Weg mit dem Fahrrad in den Garten höre ich beim Vorbeifahren ein Niesgeräusch aus einem Haus. "Gesundheit" rufe ich. "Ebenso" ruft es zurück. So nett und so still kann ein Sonntag sein.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 2. Mai
Es kostet ein bißchen Mühe alles aufzunehmen und zu bewerten was gerade passiert und wie es gemeint ist: Die interessante Meinung der Palliativmediziner ... Die Familien, die jetzt eine Lösung brauchen ... Die Autokinos, die gerade das Kulturthema besetzen ... Die heutigen Demonstrationen für Menschrechte und die Freiheit. Die Leute melden sich nun in verschiedenster Weise zu Wort, und wollen ihr Leben zurück.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 1. Mai
Am Morgen im Deutschlandfunk eine Sendung über das Weinen gehört. Dann eine CD von Mercedes Sosa angehört -  und dann ist es passiert: Melancholie.  Aber schön. Mercedes Sosa, die unverkennbare Stimme Lateinamerikas und  Aktivistin  für Frauen- und Menschenrechte ihr Leben lang, hat  Ihren 70. Geburtstag während eines Konzertes im Tollhaus gefeiert. Ich verneige mich bis heute vor dieser Künstlerin.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 30. April
An meiner Bürotür hängt ein Spruch, mit dem ich mich jeden Tag aufs Neue anfreunde:
"Denken ist wie googlen - nur krasser"
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 29. April
Was wir gewonnen haben: den frischen reinen Duft nach Regen, wenn es regnet auf die Stadt.

Heute ist der 28. April
Die erste Videokonferenz mit den Kulturring-Kolleg*innen - ein Netzwerk freier Kultureinrichtungen in Karlsruhe - seit dem Lockdown. Es wurde auch höchste Zeit!
Es war motivierend zu hören, daß niemand seine Zukunft in Videokonferenzen, Tabellenrechnungen, wann die Insolvenz droht, oder Kurzarbeit sieht. Wir wollen raus, und sprichwörtlich, an die frische Luft - mit Kultur und Ideen… Wir melden uns…
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 27. April
Vieles scheint jetzt wie vor 40 Jahren. Damals war das Kulturprogramm in Karlsruhe äußerst spärlich und die Stadt wäre nie auf die Idee gekommen sich um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" zu bewerben. Viele große und kleine kulturelle Initiativen und Akteur*innen haben das Gesicht der Stadt mit vielen interessanten Sparten und Projekte verändert und ihr Spektrum mit den Jahren vergrößert. Mal gespannt wie es weitergeht, wenn die verordnete Glocke der Unterbrechung wieder gelüftet wird.
Machts gut bis morgen

Heute ist der 26. April
Eine Suche nach Ordnung im Chaos: Heute ist Sonntag und Zeit für den "Tatort". Das behandelte Thema ist gar nicht so fiktiv. Ich erinnere mich, dass vor vielleicht einem Jahr tatsächlich ein Hashtag im Netz auftauchte der ausschließlich Frauen zeigte, die sich vordergründig feministisch zeigten, aber bei genauem Hinhören miesestes rassistisches Gedankengut verbreiteten. 
Passt auf und machts gut, bis morgen.

Heute ist der 25. April
Vor einer Premiere gibt es eine Generalprobe. So wollte ich vor Beginn der Maskenpflicht am kommenden Montag schon heute ein Maske beim Einkaufen ausprobieren. Ein „Dinkelbrot" sollte es werden, aber heraus kam wohl ein: di-i-o. Die geduldige Verkäuferin hat zweimal um Wiederholung gebeten. Dann habe ich die Maske abgenommen und das „Dinkelbrot" konnte verstanden werden.
Das kann ja heiter werden, denke ich - und Heiterkeit ist ja dann auch wieder gut für das Immunsystem.
In diesem Sinne, machts gut bis morgen

Heute ist der 24. April
Nun geht wieder eine Woche dem Ende entgegen. Eine Woche voll Zuspruch, Solidarität und Unterstützung von Euch, und dafür sind wir sehr dankbar. Es scheint, als empfindet ihr das Tollhaus auch als Euer Haus. Das macht uns froh, denn genauso haben wir es immer gemeint! Nun haben wir alle die gleiche schöne Aufgabe: diesen Zentrum zu erhalten. 
Habt Dank und machts gut, bis morgen

Heute ist der 23. April
Die alltägliche Frage im Tollhaus hängt in allen Winkeln: Wann können wir wie wieder aufmachen? Und wie verlässlich ist die finanzielle Unterstützung bis dahin ? Ohrenbetäubenden Lärm in meinem Kopf verursacht allerdings die Summe von eintausendfünfhundert Millionen Euro für diese Zwei-Kilometer-Karlsruhe-U-Bahn, wie gut hätte man diese Riesensumme jetzt in vielen Bereichen einsetzen können. Jetzt streiten sich auch noch die Amseln um die schönste Braut - in meinem Gartenbüro. Morgen ist es wieder besser … ehrlich !
Machts gut

Heute ist der 22. April
Morgens habe ich um halb fünf den ersten Vogel gehört. Normalerweise ist das ein Weckruf für die ganze Schar die die stille Stadtmitte so langsam vergnüglich bevölkert. Aber es blieb bei dem einzelnen Vogelgesang danach war es still, kein Laut -  und ich war wach. Gemäß der Erkenntnis, dass sich ein ganzer Tag neu darstellen kann, wenn er morgens in einer anderen Weise wie gewöhnlich begonnen wird, nehme ich das Buch zur Hand, das ich mir schon lange zum Lesen bereit gelegt habe. Lutz Seiler "Stern 111". Seite um Seite, Stunde um Stunde mache ich es mir vertraut, mitten in der Woche, morgens um halb fünf, und genieße das konzentrierte Alleinsein mit der Erzählung. Ein lange vermisstes Erlebnis.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 21. April
Meine Kollegin hat freundlicherweise das Weißplakatkleben vollendet. Ich schau dann doch mal hin, von weitem, auf die traurige Wand. Now we have the salad, denke ich.
Machts trotzdem gut, bis morgen. 

Heute ist der 20. April
Das Tollhaus ist nun fünf Wochen geschlossen, länger als jemals eine unserer Sommerpausen war, und dabei ist  ja noch gar nicht Sommer. Heute habe ich angefangen die Plakate an der Tollhauswand zu überkleben, mit Weiß. 
Eher Realismus als Resignation. Wenn man es schön machen möchte, und das wollte ich, muss man die gewellten Seiten der alten überklebten Plakate wegreißen - und was da zum Vorschein kam waren Schicht um Schicht vergangene Kultur-Erlebnisse vom Feinsten ....
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 19. April
Ich habe meine Nachbarn im Hof getroffen. Sie waren gut gebräunt, wahrscheinlich von der Gartenarbeit,  und haben sich gefreut, daß sie morgen wieder aufmachen dürfen, weil unter 800 qm.
Im Tollhaus machen wir uns auch Gedanken wann wir wieder aufmachen dürfen und wie, also quasi unter Einhaltung der Vorschriften. Kultur kommt zum Schluss? Das kann nicht sein !
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 18. April
Heute war es schön im Tollhaus-Garten. Jemand kommt vorbei und reicht einen Mitgliedsantrag über den Zaun, dann kommt jemand und wollte einfach mal schauen wie es uns geht, und jemand anderes meint, er war eh gerade unterwegs und wollte fragen, ob er etwas für uns tun könne. Ein glücklicher Tag!
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 17. April
Schon wieder ein stiller Wochenendabend. Aber eine Idee: Freitags ist Pizzatag bei den Nachbarn, der Fettschmelze. Auch die sympathischen Kolleg*innen müssen sich natürlich etwas einfallen um auf Abstand und durchs Fenster ihre treuen Gäste zu bedienen. Die digitale Bestellung ist einfach, die super leckere Pizza wird zur angegebenen Zeit durchs Fenster gereicht und ist schon in Stücke geschnitten. Gut warm lässt sie sich im  Ostauepark mit dem mitgebrachten Wein genießen. "Haltet durch" ruf ich beim Gehen."Ihr auch", kommt durch den Mundschutz zurück. Wir sind alle noch da ... und das Wochenende kann beginnen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 16. April
Nun gibt es doch nur die Maskenempfehlung. Schade! Trotzdem Danke an meine Freundin für die zauberhafte Maske. Es ist gut zu lesen wie freundlich und transparent die Verordnungen geschrieben werden. Viel Respekt und die Bemühung, zu erklären und um Verständnis zu werben, sind zu erkennen. Wir lesen diese ja fürs Tollhaus sehr aufmerksam. Wir leben in einer Demokratie, das ist zu spüren, und genau darauf müssen wir aufpassen.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 15. April
Seit heute mittag wissen wir, dass das vor vier Wochen angeordnete Veranstaltungsverbot noch anhält und ein Ende der kulturfreien Zeit nicht in Sicht ist. Das muss sich erst einmal setzen im Kopf. Als die Welt sich vor vier Wochen verändert hat, habe ich eine Petition unterschrieben, was ich selten tue. Aber es ging um das Bedingungslose Grundeinkommen, das seit Jahren diskutiert, überprüft und gerechnet wird. Mit mir haben weitere 455.800 Menschen unterschrieben. Also, einfach umsetzen, jetzt, ganz einfach.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 14. April
Was die Kultur betrifft, lassen die konkreten Verordnungen noch auf sich warten. Wir hoffen auf Anweisungen. Auch seltsam, dass wir als freies unabhängiges Kulturzentrum mal sehnsüchtig auf Anweisungen warten. Eine wunderliche Zeit. Zum Besipiel sehe ich gestern abend auf meinem Rundgang durch den Alten Schlachthof ein Fahrrad an eine Mauer gelehnt, kopfüber, und es fehlte ihm ein Rad. Heute morgen war das Rad wieder dran. Seltsam, aber irgendwie auch nett.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 13. April
Immer noch jeden Morgen aufwachen und hören, ob die Welt noch da ist. Hallo Welt! Andere Aufmerksamkeiten sind jetzt gefragt. In der Stille entspannt sich das Gehör und setzt neue Prioritäten.
Die Ostertage, seit Jahrzehnten reserviert für einen Kurzurlaub mit Freunden, diesmal anders.
Gespannt auf die Verordnungen, wie es weitergeht.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 12. April
Ich weiß nicht von wem das ist, aber das ist mir so eingefallen, fern von Fatalismus:
Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine zum anderen: "Und wie gehts ?“. Die Antwort kommt prompt:
"Oh nicht so gut, ich habe die Menschen“. "Ach das ist nicht so schlimm, das geht vorbei“.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 11. April
Der Mensch braucht Struktur.
Also die Idee: Blumen-Anzucht-Beet in den ungenutzten Tollhaus-Garten.
Und so wirds gemacht:
Einen schattigen Platz suchen. In meinem Fall Kiesplatz auf dem Zeltivalgelände. Ein Gartenflies auslegen, darauf Gartennetz. Blumenerde mit ein wenig Sand mischen und dieses fruchtbare Gemenge auf dem Netz verteilen, ca. 4 cm dick.
Aller Art Blumensamen nach Geschmack und Belieben auf die Erde streuen. Mit dem Rechen die Erde festdrücken, damit die Samen in die kleinen Furchen fallen und gießen.
Ein Flies darüberlegen und mit Steinen am Rand befestigen. Ein Schutz gegen den Vogelhunger.
Viele Spaß
und machts gut, bis morgen

Heute ist der 10.04
und das ist die Camelie, der Beweis.
Schöne Ostern
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 9. April
Eine beeindruckende Wochenbilanz habe ich aus dem Tollhaus-Hof vorzuweisen:
Auf der Faunaseite zahlreiche Eidechsen in den Sandsteingemäuern, und die ersten Taubenschwänzchen. Die zwei Hausraben werden zutraulicher. Abends kleine Fledermäuse, ich weiß die bergen gerade andere Assoziationen, aber ich mag sie. Und der Höhepunkt der Woche: ein Wiedehopf stolzierte über den Hof, Menschen meines Alters kennen ihn aus dem Kinderlied „Die Vogelhochzeit“
Auf der Floraseite eine noch nie dagewesene Blütenpracht der Camelie: 15 Stück, klingt wenig, aber sie ist auch nur 80 cm hoch. Echt toll!
… aber Ich weiß ihr wollt etwas anderes: ihr wollt musikhören, schöne Veranstaltungen sehen, zusammenkommen.
Ich ehrlich gesagt auch….
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 08. April
Meine Abendlektüre ist das kleine Büchlein von Carola Rackete mit dem Titel „Handeln statt Hoffen“.
Ihr kennt sie als Kapitän der Sea-Watch 3, sie legte im Juli 2019 ihr Rettungsschiff mit 40 aus dem Meer geborgenen Frauen, Kinder und Männern in Lampedusa an, auch ohne die italienische Erlaubnis. Ihr Text und ihre Botschaft ist einfach und klar, und die Überlegung, sie im Dezember zum "Tag der Menschenrechte“ nach Karlsruhe einzuladen, auch.
„… Es ist Zeit die Wahrheit über die Klimakrise zu sagen. Sie ist nur ein Symptom für unser völlig verfehltes Verständnis davon, welchen Platz wir Menschen in der Natur einnehmen. Solange wir nicht grundsätzlich daran arbeiten, Ökosysteme zu regenerieren und soziale Gerechtigkeit herzustellen, gibt es für uns keine Zukunft auf dem Planeten…“
Machts gut, bis morgen.

Heute ist der 7. April
Die Stimmung ist etwas besser in unserem Tollhaus-Kosmos. Unsere Künstler lassen sich schöne Themenvideos einfallen und tragen zur guten Laune bei. Wir halten zamm, und freuen uns voneinander zu hören. Einiges ist besser zu ertragen wenn man selbst schöpferich sein kann. Davon demnächst mehr.
Auch auf der monitären Seite erfahren wir Unterstützung von euch. Wir freuen uns über jeden Euro, wirklich. Und deshalb noch mal: Wir halten zamm !
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 6. April
und wie ihr inzwischen wisst, ist der Montag ein Tag der Videobesprechungen im Tollhaus. Auch wir, als Teil des virusbedingten kollektiven Bewusstseins, reden unter anderem über die eventuelle Anschaffung von Gesichtsmasken. Für die Tollhäusler konnten welche erstanden werden, aber unser Blick schielt perspektivisch in Richtung Wiederaufnahme der Veranstaltungen. Wann können wir wohl wieder öffnen, und unter welchen Bedingungen und Auflagen dürfen wir das tun?
Wir werden uns weiter gedulden müssen und erst dann wirklich planen können, wenn wir die behördliche Erlaubnis bekommen, wie alle anderen auch.
Ich wünsche uns allen viel Geduld.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 5. April
Zeit, zu zweit oder mit der Familie mit allen Sinnen in die Sonne zu blinzeln. Es ist ja schließlich Sonntag! Und wenn ihr das Gefühl habt, dass gerade alles auseinander bricht, bleibt ganz ruhig. Es sortiert sich nur neu!
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 4. April
Bei diesem Wetter gibt es nur eine mögliche Beschäftigung: Raus in den Tollhausgarten.
Heute ist der Bambus dran. Ihr erinnert euch sicher an das hohe Gewächs an der Holzterrasse, in der Zeltivalzeit besonders schön beleuchtet.
Das Gefühl, das Zeltival läge in ferner Zukunft, lassen wir erst gar nicht aufkommen.
So robust wie der Bambus ist, so empfindlich ist er auch. Er kann es einem sehr übel nehmen wenn er geschnitten wird, handelt es auch die vertrocknetsten Zweige.
Also rede ich mit ihm sehr freundlich und bedanke mich für sein winterliches Durchhalten, in der Hoffnung ihr seht im Sommer ein schönes Ergebnis.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 03. April
ein Freitag, ein Wochenende kann beginnen. Als Unterhaltungskünstler und leidenschaftliche Zentrumsbetreiber*innen war für uns der Freitag immer der Beginn einer gesteigerten Betriebsamkeit, Ankunft der Künstler*innen, Begrüßung, Erkenntnis der Übereinstimmung zum Thema Weltlage, Soundcheck, Essen, Show, Wein, erleichterte Bemerkung: „Ihr habt ein tolles Publikum“, Abschied.
An machen Wochenenden haben gar vier verschiedene Compagnien im Tollhaus gastiert, manche haben sich gekannt und gefreut, sich zu sehen. Das Haus hat gesprüht vor Energie, und geknistert in freudiger Anspannung. Das ist, so kommt es mir vor, schon eine kleine Ewigkeit her.  Als ich vorhin unserem Zentrums-Bäumchen durch das Öffnen der Tür mehr Licht gönnen wollte, kam ein junger Mann mit einem Kind vorbei und antwortete auf die Frage des Kindes warum es da so still ist: „Die lassen lieber zu, die haben Angst vor einem Virus“. Gerne hätte ich es korrigiert.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 02. April
Wir machen uns Gedanken im Tollhaus, wie wir Veranstaltungen streamen könnten, unter Einhaltung der gebotenen Maximalzahl der Künstler*innen in einem Raum, versteht sich. Gerne würden wir noch mehr Kontakt zu euch da draußen halten, und gerne würden wir einfach wieder weitermachen. Klar geht nicht! Zeichnet sich da ein Lagerkoller ab?
Gleichzeitig fällt uns natürlich ein, daß wir all die tollen Erlebnisse und Begegnungen und Emotionen eben nur live haben können und bieten können. Also schauen wir weiter, wie wir uns, oder ob wir uns ein neues digitales Medium aneignen können.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 01. April
Heute morgen las ich in der Zeitung: Jemand hat eine Hülle um die Erde gelegt. Jemand ist es zu laut geworden; die ganze hässliche Krakeelerei sei jemandem auf die Nerven gegangen. Jemand wollte Frieden haben, wollte alle Kinder satt und gesund sehen, und lachen hören. Jemand hat sich gefragt warum in den Regalen fünf verschiedene Honigsorten stehen, und warum nicht alle die gleichen Chancen haben. Dann hat Jemand gesagt: Wie oft soll ich euch eigentlich daran erinnern was euch wirklich zufrieden macht. Und dann hat jemand die Hülle um die Erde gelegt, damit das Universum nicht angesteckt wird. Das habe ich jedenfalls in der Zeitung gelesen. Aber heute ist ja der 1. April
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 31. März
Es bleibt nun mehr Zeit für Gespräche und mehr Zeit zum Zuhören. Eine Künstlerfreundin berichtet von zig abgesagten Auftritten, fast von einem zum anderen Tag. Sie erzählte:
Ihr anfängliches Gefühl der Verzweiflung wich bald vielen philosophischem Betrachtungen der, wenn auch schwierigen, Situation. Quasi ein Zusammengehörigkeitstelefonat.
Ich möchte euch ein Bild zeigen, das mir heute bei einem Spaziergang durch den Schlachthof aufgefallen ist: Die Krone soll draußen bleiben!
Machts gut, bis morgen

 

Heute ist der 30. März
Es ist Montag, und Besprechungstag mit allen derzeit wichtigen Tollhaus-Arbeitsgruppen.
Eine Videokonferenz folgt der anderen, aber es wäre nicht das Tollhaus-Team, wenn uns nicht auch hier lustige Bilder einfallen würden. Plötzlich verschwindet ein Kollege und kommt als Fantasievogel zurück, oder ein Entchen mit Perücke schwimmt durchs Bild, machmal kreuzt sogar ein kleiner VW-Bus unsere Besprechung. Das müsstet ihr sehen - beste Unterhaltung im wahrsten Sinne
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 29. März
Seit dem Frühstück geht mir das Wort „Gewinnmaximierung“ durch den Kopf.
Jetzt aber erst mal raus an die frische Luft mit dem Fahrrad, bevor der angekündigte Regen kommt.
Wessen Gewinn wurde maximiert, und wenn jetzt keine Maximierung mehr möglich ist, entsteht daraus ein neuer Gewinn ? …hm…
Na dann machts gut, bis morgen

Heute ist der 28. März
15 Tage hat das Tollhaus nun schon geschlossen. Es kommt mir lange vor.
Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal bei meinem Samstagseinkauf in einer ruhigen Warteschlange stehe und Zeit habe, in Gesichter zu schauen - in außergewöhnlicher Verbundenheit. Dann bei der Gartenarbeit kleiner Plausch mit den Vögeln an der Wasserschale - ohne Scheu.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 27. März
Gestern abend bin ich auf dem Weg nach Hause an der Friedrich-List-Schule vorbeigefahren. Nahezu unbemerkt wurden auf dem Grünstreifen zwischen Straße und Schule 12 kleine Bäumchen gepflanzt!
Sentimentalität wird mir nicht bescheinigt, aber ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe jedes Bäumchen einzeln begrüßt.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 26. März
Fortsetzung: Der nun seit 14 Jahren gewachsene überregionale Anziehungspunkt Alter Schlachthof hat viele Mütter und Väter. Viele, die sich engagiert haben für die Kultur-und Kreativwirtschaft im Quartier mit gegenseitiger Unterstützung und Interesse an der Tätigkeit der anderen. Projekte sind gemeinsam entstanden und wurden zu Highlights für Karlsruhe, es ging immer weiter und weiter
und die Sommer wurden heißer und heißer und die Parkplätze immer weniger, so dass man nun erneut zusammen kommt, um zu überlegen wie wir gemeinsam wieder Luft zum Atmen finden können.
Denn das vermeintlich wiehernde Pferd in der Ferne ist das unermüdliche Heulen der riesigen Betonmischmaschinen in direkter Nachbarschaft.
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 25. März
Der Alte Schlachthof, bis vor kurzem war er prosperierender regionaler Hotspot der kulturellen und kreativen AkteurInnen - jetzt ist er verwaist!
Manchmal sieht man am Tag von weitem Nachbarn, die von Anfang an dabei waren, und ruft sich gegenseitig (mit Abstand ) zu: "weißt du noch damals vor 14 Jahren, damals war auch kaum was los" ….
Das Gerufene hallt zwischen den denkmalgeschützen Sandsteingebäuden hin und her. Der Wind schickt launig ein trockenes Gestrüpp durch die Höfe und in der Ferne wiehert ein Pferd. Tritt die Dämmerung ein, zieht man beim Nachhausegehen den Mantelkragen etwas höher und zuckt kurz zusammen, wenn unerwartet ein kreativer Kollege aus der Nachbarschaft um die Ecke schleicht.
Mit einem stillen gegenseitigen Gute-Nacht-Gruß geht wieder einer dieser Tag zu Ende.
- Fortsetzung folgt -
bis morgen

Heute ist der 24. März
Jetzt ist etwas passiert: Das große Tollhaus-Logo-Transparent, das allen Menschen, die über den Ostring gekommen sind 10 Jahre lang entgegen geleuchtet hat, wurde vom Wind mitgenommen. Die Wand ist leer! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das Tollhaus bleibt an Ort und Stelle, so viel ist sicher, und irgendwann machen wir auch wieder die Türen auf. Bis dahin können wir uns anders unterhalten. Heute Abend kommt „DIE ANSTALT“ im ZDF. Ich freu mich drauf.
Die Fernsehsender können sich doch langsam einstellen auf die kino- und livekulturarme Zeit, und ein tolles vielseitiges und kulturell interessantes ansprechendes Programm anbieten, einfach mal etwas Neues ausprobieren, man kann ja eh nicht weg.
In diesem Sinne: Machts gut, bis morgen

Heute ist der 23. März
Kaum zu unterscheiden vom 22. März, und doch ist es interessant zu sehen, was passiert, wenn nichts passiert. Virtuelle Besprechung mit Kollegen, weil es ja Montag ist, und es doch einiges zu tun gibt. Nur die Post bleibt etwas länger liegen, denn wichtiger ist der Ritt durch das Netz, um allerlei Ideen von Rettungsschirmen für die Kultur aufzuspüren. Das beruhigt ein bißchen.
Und dann kommt endlich der Podcast von Christian Drosten aufs Handy, mein tägliches Highlight.
Wenn es nach mir geht, ist er der Kandidat der Stunde für das Bundesverdienstkreuz!
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 22. März
Gestern Abend haben mich die Nachrichten daran erinnerst, dass um den 21.03. herum eigentlich die Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfinden. Nicht dass ich es vergessen hätte, aber es wurde verdeckt und ich denke: Vorsicht, dass jetzt nicht anderes Wichtiges in Vergessenheit gerät.
Aus dem Bücherschrank ist mir ein Rilke-Gedicht entgegengefallen, ein Sonntagsgedicht, vielleicht habt Ihr Lust es zu lesen
Machts gut, bis morgen

Was mich bewegt
von Rainer Maria Rilke

Man muss den Dingen die eigene ungestörte Entwicklung lassen
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann
Alles ist Austragen
und dann Gebären

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die das sind
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit…

Man muss Geduld haben gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben
und wie Bücher,
die in einer fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

 

Heute ist der 21. März
Etwas später aufgewacht - Stille - am lautesten Konsumtag der Woche, nur Einzelwesen auf der Straße mit Schirm.
Der Planet atmet durch, die Natur kann heilen.
Vielleicht bringt die Zukunft uns die Erkenntnis, dass wir das Leben jetzt wirklich gemeinsam machen müssen, MIT der Natur…
Hoppla , kaum ist Wochenende, schon wird man philosophisch.
Machts gut, bis morgen.

Heute ist der 20. März
Tatsächlich ist ein Erfolgserlebnis zu vermelden: Das Morgenyoga wird schmerzfreier!
Nach siebentätiger Regelmäßigkeit machen sich kleine Erfolge bemerkbar. "Ich bin ja die ganze Zeit nicht mehr dazu gekommen" (Achtung: Ausrede)
Beim Einkaufen wird Abstand gehalten, jetzt fast automatisch. Selbst das Auto hinter mir hat nicht gewagt, mir auf meinem Weg mit dem Fahrrad ins Tollhaus näher zu kommen.
Im Büro fällt der erste Blick immer auf tausende nicht versendete Programmhefte, die just an dem Tag gedruckt waren, an dem das Veranstaltungsverbot ausgesprochen wurde. Ob sich da vielleicht kleine Hocker draus machen lassen ?

Unser Publikum ist toll!
Es werden Plakate gewünscht, um sich an Veranstaltungen zu erinnern; es wird auf die Rückerstattung der Eintrittsgelder verzichtet, oder die gerade abgeschlossene Clubmitgliedschaft nicht zurückgenommen.
Schön, so auf Abstand zusammenzubleiben!
Und draußen sucht die unbeirrbare schwarze Holzbiene im Sandstein ein Familienplätzchen, die Bienen gehen ihren Sammelaktivitäten nach, und die Vögel streiten sich um die besten Nistplätze - wie jedes Jahr im Frühling !
Machts gut, bis morgen

Heute ist der 19. März
Im stillen Tollhaus wird aufgeräumt, Homeoffice eingerichtet und nach Kommunikationstools gesucht, die uns digitalen Austausch ermöglichen.
Die Laune ist gut, es gibt etwas zu tun: Lange Liegengebliebenes freut sich auf Erledigung und dafür ist nun viel Ruhe und Zeit. Der Rhythmus des Kulturalltags hat sich verlangsamt und bremst nun ein. Das ist zunächst noch genüsslich….
Täglich geht mir das Buch „Großes Solo für Anton“ von Herbert Rosendorfer durch den Kopf, das ich, ach vor bestimmt vor 20 Jahren gelesen habe. Es handelt vom plötzlichen Verschwinden der Menschheit. Anton wacht eines morgens auf und niemand ist mehr da… Das Buch ist spannend, schön und tröstlich. Gerne leihe ich es aus. Vielleicht liegt darin eine Zuversicht. Alles so zu nehmen wie es ist, und zusammen zu halten.
Machts gut, bis morgen