Dienstag 03.12.2019

HELENA WALDMANN

"Der Eindringling - Eine Autopsie"

HELENA WALDMANN


Mit einem neuen, vom Kulturzentrum TOLLHAUS koproduzierten Stück kehrt die Choreografin Helena Waldmann wieder. Mit dem Tanztheater und chinesische Kampfkunst verbindenden "Der Eindringling" lädt sie zu einer Autopsie. Der Blick geht unter die Haut, ins Innere des menschlichen Körpers und zugleich ins Innere des Systems „Staat“. Kein Körper, sei es der eines Lebewesens oder die menschliche Gesellschaft selbst, funktioniert als geschlossenes System. Öffnungen sind lebensnotwendig, machen aber auch verletzlich. Der erste Impuls ist, sich zu schützen: Barrieren werden errichtet, potentielle Angreifer sollen fern gehalten werden. Dass der Eindringling aber auch Nutzen bringen kann, ist eine alte Erkenntnis der Immunologie, die in der gegenwärtigen Forschung neue Bedeutung erhält. Das „biologische Selbst“, der nur aus sich heraus funktionierende autarke Körper, gilt inzwischen als Illusion. Der Mensch lebt mit und durch eine Vielzahl eigenständiger Mikroben und Bakterien. Eindringlinge fordern das Immunsystem heraus und veranlassen es, zu lernen und sich zu entwickeln. Die Medizin weiß, dass nur derjenige Organismus überlebt, der zur Auseinandersetzung mit dem Fremden bereit ist.

Auf der mikroskopischen Ebene des Körpers inszeniert Helena Waldmann die Makroskopie einer Politik. Mit den Mitteln des Tanzes zeigt sie Strategien von Abwehr und Anpassung und nutzt dabei die sehr speziellen Fähigkeiten ihrer Performer. Nach Tanz bei Revolver besorgen, Kathak-Tanz bei Made in Bangladesh und Akrobatik bei Gute Pässe - Schlechte Pässe lässt sie sich diesmal von der chinesischen Kampfkunst Kung Fu inspirieren. Hier sind Angriff und Abwehr eins. Die Kraft des jeweiligen Gegners wird durch wendige Schritt- und Schlagtechniken neutralisiert und gegen den Angreifer gewendet. Ziel ist es, am Gegner zu wachsen, ohne ihn zu vernichten. Damit tritt Helena Waldmann den Beweis an, dass Offenheit, Freiheit und Freizügigkeit lebenswichtig sind, um jener perfiden Konstruktion von Sicherheit zuvor zu kommen, die in ihrer Logik der Geschlossenheit nur lebendig Totes erzeugen kann.


Produktion von Helena Waldmann und ecotopia dance productions
in Koproduktion mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen, Forum Freies Theater Düsseldorf, Tafelhalle Nürnberg, Tollhaus Karlsruhe, mit freundlicher Unterstützung des Pumpenhaus Münster, gefördert von Tor 4 - BASF fördert Kunst

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz,
gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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